Kurzbeschreibung (Verlag):

Bremen in Aufbruchsstimmung – zwei ungewöhnliche Frauen und ein großer Traum
Bremen, 1890. Louise, Tochter aus gutem Hause, sehnt sich nach einem anderen, unabhängigen Leben und will ausbrechen. Emilie, Botanikerin, kommt aus armen Verhältnissen, plant eine Forschungsexpedition nach Australien. Sie wirkt mutig und frei – aber ist sie das wirklich?
Als Louise Emilies Vortrag besucht, wittert sie die einmalige Gelegenheit, dem für sie vorgezeichneten Weg zu entfliehen und fasst den Entschluss, Emilie nach Down Under zu begleiten. Doch Emilie weist Louise harsch ab – feine Damen wie sie sind nicht für solche Abenteuer gemacht. Louise bleibt hartnäckig, und es entwickelt sich eine zarte Freundschaft zwischen den beiden unterschiedlichen Frauen. Wäre da nicht Ludwig, auf den sie beide ein Auge geworfen haben …
Zur Autorin (Verlag):
Christiane Lind liebt es schon ihr Leben lang, Geschichten zu erzählen. 2010 veröffentlichte sie ihren ersten Roman, auf den zahlreiche weitere folgten. Die promovierte Soziologin interessiert sich für Auswandererschicksale, seitdem ihr Großvater von seinen Plänen berichtete, in den 1950er Jahren nach Australien auszuwandern. Die Familie blieb in Deutschland, aber das Interesse an fernen Ländern hat die Autorin nicht losgelassen. Für ihre Doktorarbeit lebte sie längere Zeit in den USA, von wo aus sie viele Reisen unternahm. Wenn sie nicht schreibt, spielt sie Doppelkopf, verbringt Zeit auf dem Pferderücken und liest viel. Einige Jahre lebte sie in Bremen und die Stadt an der Weser gewann ihr Herz.
Meine Meinung:
Louise wurde von ihrem Vater nach dem Tod der Mutter bei der Familie ihres Onkels in Bremen untergebracht. Hier wird von ihr nur erwartet, keine Scherereien zu machen und möglichst bald gut zu heiraten. Doch sie sehnt sich nach mehr und als sie sich in Alexander verliebt, hofft sie auf ein Happy End.
Emilie dagegen arbeitet als Naturforscherin und nutzt nach der Trennung von ihrem Mann die Gelegenheit eine Australien Expedition mit vorzubereiten. Bei einem ihrer Vorträge lernt sie auch Louise kennen und deren Zeichentalent schätzen. Aber die Standesunterschiede wiegen am Ende doch schwer und machen die Zusammenarbeit schwierig.
An sich hat mir das Buch gut gefallen. Es zeigt recht anschaulich das Leben in Bremen am Ende des 19. Jahrhunderts. Die gesellschaftlichen Zwänge, denen Louise unterliegt und auch die Schwierigkeiten, sich seinen Lebensunterhalt als Frau zu verdienen am Beispiel von Emilie. Diese hat auch schwer mit den Vorurteilen der Männer gegen weibliche Forscherinnen zu kämpfen und muss mit Übergriffen leben. Der Schreibstil ist schön und bildhaft und ich konnte mir das Leben wirklich gut vorstellen und auch die Unterschiede in der Gesellschaft. Da hat auch alles zusammengepasst.
Ich hatte allerdings ein wenig Probleme mit den beiden Protagonistinnen. Louise ist zwischendrin einfach nur dumm und verspielt so die Chance auf ein gutes Leben. Obwohl ihr die gesellschaftlichen Einschränkungen bekannt sind, verstößt sie dagegen und wundert sich, warum nur sie dafür zahlt. Und Emilie wirkt zwar eigentlich sehr selbstbewusst, lässt sich aber trotzdem oft einfach so die Butter vom Brot nehmen. Irgendwie hat mir bei beiden die Konsequenz im Handeln gefehlt, das empfand ich doch als störend.
Dazu kam, dass die einfachen Frauen immer Bremer Platt sprechen. Gelesen kann man sich zwar den Inhalt denken, aber es stört trotzdem im Lesefluß. Ja, es macht das Ganze authentischer, aber das Buch am Ende nicht runder.
Alles in allem ein nettes Buch. Am Ende wird die Expedition nach Australien angetreten, aber man erfährt nichts weiter darüber. Das dann aber hoffentlich in Band 2.
7 von 10 Punkte
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Das Buch beim Verlag (inkl. Leseprobe)
Produktinformation (Amazon):
- Herausgeber : Ullstein Taschenbuch
- Erscheinungstermin : 27. Februar 2025
- Sprache : Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 496 Seiten
- ISBN-10 : 3548069452
- ISBN-13 : 978-3548069456
- Reihe : Weser 1
6 Kommentare zu „Weserleuchten: Aufbruch in eine neue Welt – Christiane Lind“